Mein Tag beim spanischen Olivenbauer, Teil2

Ich hatte im TV einen Bericht gesehen, wie bei einem Bauern in Spanien die Oliven geerntet werden. Da kam eine Maschine gefahren, die ein Netz um den Olivenbaum legte und dann einen Arm mit einer Art Kralle ausfuhr, mit dem sie an dem Baum rüttelte bis alle Oliven in das Netz gefallen sind. Dann zog er das Netz ein und fertig war die Ernte. So ging es dann von Baum zu Baum.
Bei dem Bauern aber, wo ich helfen durfte, ging das dann ganz anders, dafür aber auch etwas mühseliger. Man benutze eben die Hände und pflückte die Oliven einzeln von dem Baum. Ich kann euch sagen, nach drei Stunden hatte ich erst meinen ersten und einzigen Korb voll, da der Lorenzo (das ist der Olivenbauer) immer wieder die Hälfte von meinen gesammelten Oliven in einen anderen Korb legte und mir sagte, dass es nicht die Qualität ist, die wir für das beste Olivenöl brauchen. In dem Moment habe ich gemerkt, wie weh mir die Beine tun und auch, wie viel Erfahrung diese Menschen haben, die richtige Olive zu pflücken.



Ich war dann auch sehr froh, wie Lorenzo die Ernte beendete und wir natürlich zu Fuß die drei Kilometer bis zum Hof laufen durften. Als wir ankamen, gab es erst mal ein ganz tolles Essen, natürlich mit viel Olivenöl und Oliven und Tapas ohne Ende.




Dann wurde es für spanische Verhältnisse sehr hektisch und alle machten sich auf zu den Oliven in den Hallen. Wir stellten uns an einen langen, fast 20 Meter langen Tisch, wo jeder dann eine Kiste Oliven vor sich gekippt bekam, um diese noch einmal nach Qualität zu sortieren. Besonders heikel war bei dieser Aufgabe, die Oliven richtig einzusortieren. Denn man unterschied zwischen den einzelnen Farben und Reifegraden. Dafür gab es die vorgesehenen Behälter. Da ich aber so langsam war, zog mich Lorenzo von dem Tisch weg und erklärte mir, dass wir uns jetzt beeilen müssen, da die Oliven in den nächsten 24 Stunden verarbeitet sein müssen. Haha, so langsam war ich dann doch nicht!
Es hat auch einen ganz bestimmten Grund für die Eile. Die Oliven verderben nach der Ernte sehr schnell und durch Schmutz und kleine Partikel kommt der Oxidationsprozess in Gang und dadurch wären sie nicht mehr für die Verarbeitung zu gebrauchen.
Kurze Zeit später wurden die Oliven dann zur Pressung gebracht. Eine Maschine zerkleinerte die Frucht, bevor die Masse dann auf eine Art Korbmatten, so genante Capachos verteilt wurden. Danach wurde gepresst, gepresst und gepresst. Als ich dann sah, wie wenig Öl wirklich aus einem kleinen Hahn lief und wie viel Handarbeit es bis jetzt schon war, ist mir klar, warum manche Olivenöle teurer sind wie ein hervorragender Wein.
Das Abfüllen in Fässer oder Flaschen habe ich dann nicht mehr mitbekommen, denn ich Weichei war total fertig und hundemüde. Trotzdem war ich sehr glücklich, denn ich habe dadurch ein ganz anderes und besonderes Verhältnis zu Oliven und Olivenöl bekommen.
Ich hoffe die Geschichte hat euch ein wenig gefallen. Als nächstes werde ich über verschiedene Sorten von Olivenöl schreiben und würde mich freuen, wenn es auch da viele Leser gibt.
Bis dahin, viel Spaß beim Essen und Kochen mit Olivenöl!

Kommentare

Iris hat gesagt…
Hi Rico,
das hört sich nach einem sehr eindrucksvollen Tag an. Ich warte nun gespannt auf Deine Infos über die verschiedenen Olivenölsorten.
Also halt Dich ran ;-)

Viele Grüße
Iris
Andreas hat gesagt…
Sehr spannend. Bin immer auf der Suche nach ein paar neuen Olivensorten. Falls Du ein Bild übrig hast, würde ich mich freuen.

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