Essen auf der Straße

Ich habe es bis jetzt nicht herausbekommen, wer den Spruch „In Vietnam musst du das Essen nicht suchen, es sucht dich“ kreiert hat.
Sehr oft habe ich schon gehört, bevor du in Vietnam ein schlechtes Restaurant besuchst, suche dir eine Garküche, wo es raucht und dampft. Den Tipp habe ich schon von meiner vietnamesischen Schwiegermutter bekommen. Das Essen sollte immer sehr heiß und so scharf gegessen werden, wie es der Einzelne vertragen kann, dann geht man der Gefahr aus dem Weg, die Rache Montezumas zu Gast zu haben.


Natürlich ist es für die europäischen Augen gewöhnungsbedürftig, die frischen Zutaten ohne besondere Kühlung oder Abdeckung, offen auf den Tischen herumliegen zu sehen. Von Kühlkette kann man dort nicht wirklich sprechen. Doch wie meine Schwiegermutter auch erzählte, es ist noch keinem in ihrer Umgebung vom Essen einer Garküche schlecht geworden, geschweige denn krank. Da wird man eher auf den gefährlichen Straßen von einem Auto oder Moped überfahren.

 
Es gibt so einige Länder, die sich mit geschwollener Brust hinstellen und laut ausrufen, wir waren die Erfinder vom Street- oder Fast Food. Na denen würde aber ganz schnell die Luft ausgehen, wenn sie die hunderte Jahre alte Tradition vom Essen und Trinken der Asiaten auf der Straße kennen würden.
Wer aber jetzt meint, in Asien ganz besonders in Südostasien muss man aufpassen, was man in den Mund nimmt, der irrt. Südostasien ist ein Paradies für alle Imbiss-Fans. Besonders der Markt „Ben Than“ in der vietnamesischen Hochburg Saigon ist dafür sehr bekannt.

 
Angenehm an diesem Markt sind die Hunderten von Markisen, die jedem Stand genügend Kühlung bietet. Ich muss den Satz korrigieren, da Stefan schon öfters in Vietnam war und mir schrieb, das andere Märkte mit den Schirmen und Plastikfolien ausgestattet sind, nur der "Ben Than" Markt nicht, da er überdacht ist. In jeder Ecke dampft, schmort, frittiert eine Köchin oder ein Koch die leckersten Ingredienzen, die sie frisch geschält, geschnitten und vorbereitet auf den Nachbarständen einkaufen. Manche Köche haben sich mittlerweile zu echten Spezialisten gemausert und genießen unter den Einheimischen einen kleinen berühmten Status.


Viele Vietnamesen haben in ihren kleinen Behausungen nicht viel Platz, geschweige denn einen Kühlschrank oder Ähnliches. Nur einen Herd nennen sie ihr eigen. Daher kaufen sie die Zutaten fertig vorbereitet auf dem Markt und brauchen diese nur noch in einem Wok, mit Gewürzen, Sojasoßen, Reiswein oder/oder Fischsoße fertigzustellen. Eine Schüssel Reis dazu und fertig ist ein wunderbares Essen. Im Prinzip sind es Fertiggerichte, nicht aus der Dose, sondern mit frischen Zutaten.

Auf den Märkten gibt es aber nicht nur Essbares, sondern alles, was das Herz begehrt. Schuhe, Rasierklingen, Koffer, Hygieneartikel oder sogar Büstenhalter oder Zähne bekommen hier ihren Platz. Was für uns schon sehr skurril anmutet, ist für die Vietnamesen ganz normal.

 

 

Aber nicht nur auf den Märkten gibt es gute und sehr leckere Garküchen. An jeder Straßenecke, Bushaltestellen und Bürogebäuden stehen die Asiaten mit ihren mobilen Restaurants. Sehr beliebt sind auch stark befahrene Straßen, wo sich hungrige Menschen die von der Arbeit oder vom Einkaufen kommen eine schnelle Speise mitnehmen. Auch Schulkinder sind gern gesehene Kunden, die vor Schulbeginn dort eine kleine Schale heiße Suppe für ganz kleines Geld zu sich nehmen. Eine andere Idee der Straßenverkäufer sind Reiskuriere, die wie ein Pizzaservice ganze Gerichte in die Büros und Geschäfte bringen. Sehr früh morgens sind diese Kuriere schon auf den Beinen und kochen wie die Wilden die vorbestellten Speisen, oder holen sie bei anderen Garküchen ab. In einer Doku habe ich Mopeds gesehen, die 20 und mehr Essen auf den Gepäckträgern oder auf Anhängern durch die Stadt zu den Kunden bringen.

Wie bei meinem ersten Beitrag über die Küche Vietnams, ist der Einfluss der Besatzungsmächte immer noch sehr stark zu bemerken. Besonders die Franzosen haben sich verewigt. Frisches Baguette mit Ei, Fischsoße, Salat, Gemüse und Wurst oder was auch immer kann man für ein paar Cents an kleinen Ständen erwerben. Wer es direkt vor Ort essen möchte, der setzt sich auf kleine, wie für Kindergartenkinder gedachte Stühlchen. Sieht ein wenig lustig aus, denn für die Touristen mit ihren langen Beinen sind die Sitzgelegenheiten nicht besonders bequem. Doch für die Händler sind die Plastikmöbel eine wunderbar stapelbare Einrichtung.

Millionen von Menschen werden so täglich mit Essen versorgt und der Einfallsreichtum der Garküchenbetreiber kennt keine Grenzen.

Ich muss feststellen, dass die Asiatische Küche sehr unterschätzt wird und leider viel zu oft mit den Asia-Lieferservicen unserer Städte verglichen wird. Dabei haben diese Rezepte nicht mehr viel mit dem guten Essen der tollen und schmackhaften Kochkünsten der Einheimischen zu tun.

Und ganz besonders ärgern mich die Fast-Food-Ketten, die meistens über den großen Teich zu uns gekommen sind, die meinen, sie seien die Herrgötter der schnellen Küche. Die sollten sich dann doch mal auf den Weg machen und sich so etwas wie die Garküchen der Asiaten ansehen und lernen.

Nun genug von meinem Gemeckere. Ich hoffe ich habe ein wenig von den Eindrücken zu euch bringen können und ihr stürzt euch noch heute auf ein asiatisches Kochbuch, um eure Familie oder Freunde mit kulinarischen Freuden sowie den gesunden und leckeren Speisen zu beglücken.

Der Gastromacher

Kommentare

daciobcn hat gesagt…
Hallo,

das war super-interessant;-) Vor allem find ich die BHs und die Gebisse klasse! Und stell mir die Aufregung vor, wenn man sie auf deutschen Märkten sehen würde;-)

Liebe Grüße!

Dacio
Rico hat gesagt…
Danke Dat für deinen Kommentar!

Ich denke dabei immer an unseren Urlaub in Amsterdam, wo du so große Augen gemacht hast was es dort für Filme einfach so zu kaufen gab.

Rico
Rico hat gesagt…
Ich möchte noch einige Anmerkungen von stefanu.blogspot.com weiter geben, die er mir per Email geschickt hat. Danke Stefan für die Hilfe! Bücher sind wohl doch nicht immer gut geschrieben.

zu deinem letzten blogeintrag 'Essen auf der Strasse':

das bild mit dem fleisch auf dem tisch ist aus hanoi.
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im ben than markt gibt es keine markisen, denn dieser markt befindet sich in einer grossen halle. zweifelsohne kann man dort alles kaufen, aber vieles ist ein wenig teurer als in der unmittelbaren umgebung. in der mitte des marktes wird gekocht und gegessen.
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sowohl in hanoi als auch in hcm sind die geschäfte
themenorientiert: d.h. in einem viertel bekommt man fahrbare imbissstände und vitrinen, im anderen gibts einen optiker neben dem anderen und in einem anderen viertel halt schuhe ohne ende.
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auf eigentlich allen anderen freiluftmärkten findet man dann natürlich diese markisen, oftmals planen aus plastik.
schützen nicht nur vor der sonne, sondern auch vor regen.
man muss aufpassen, dass man sich an den entsprechenden halterungen nicht den kopf stösst.
das niedrigste habe ich versteckt in einer nebennebennebenstrasse in da lat gesehen, da hätte selbst dat aufpassen müssen sich nicht das köpchen zu stossen.
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asiatisches essen wird im allgemeinen nicht unterschätzt sondern falsch eingeschätzt. ein guter test ist z.b. in einem vietn. chinaimbiss nach nuoc mam zu fragen. *lol in vt gibts (leider) kein mc donalds. immerhin wüsste man da ja, was man hat. stattdessen gibts kfc und das vietn. mc donalds namens 'lotteria'. dort kann man eigentlich nur fritten essen, auf einem cheeseburger z.b. fehlt jede sauce. einfach ungeniessbar!
dafür gibts asiatisches fastfastfood like mc doof. die ketten finden bei den kindern und jugendlichen sehr grossen zuspruch.
ebenso eissalons und yoghurt-dielen... echt schräg!
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die bilder sind teilweise auch von christa.
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es hat spass gemacht, den artikel zu lesen. ich freu mich schon so auf unsere reise im mai, frag mich nicht warum ich so gerne dorthin fahre.
miriam hat gesagt…
auf bali sieht es sehr ähnlich aus. auch wenn mir alles sehr suspekt war. vorallem der fisch und das fleisch...

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