Ostereier wie es der Gastromacher kennt

Ich muss zugeben, dass meine Familie uns ab einem bestimmten Alter nicht mehr gezwungen hat, dieses Fest aus religiösen Motiven zu feiern. Wir haben damit eher den Frühling eingeläutet. Das Eiersuchen durfte natürlich nicht fehlen, auch als uns Jungs schon so langsam kleine Härchen im Gesicht wuchsen, gehörte das Suchen natürlich zu jedem Ostern. Da es uns aber peinlich war, haben wir eben so getan, dass wir nur den Neffen und Cousinen helfen wollten.


Wir waren eine recht große Familie. Wenn ich alle zusammenzähle, Opas, Omas, Tanten, Onkel und die dazu gehörigen Kinder waren wir 20 Personen, die sich in den Ostertagen gegenseitig besuchten. Und wir wussten jedes Jahr aufs Neue, nach den Ostertagen werden wir vor lauter Eier essen, platzen. Aber was soll es, es war ja nur einmal im Jahr und über Cholesterin hat zu dieser Zeit auch noch keiner gesprochen. Mein Vater zog vor den Ostertagen los, zum Eierbauern unseres Vertrauens und klaute den armen Hühnern auch noch die letzten Eier unter dem Popo weg. Nach Hause kam er dann mit mindestens 130 Eiern und einen Beutel mit Farben. 


Es gab dann natürlich auch wie jedes Jahr den Streit zwischen meinen Eltern, warum er so viele Eier gekauft hat. Nun ja, so war es eben bei uns in der Familie. Ich glaube aber, wir waren nicht die einzige Familie, wo es so zuging.


Das Eier-Kochen und Färben war dann natürlich wieder die Sache der Hausfrau und der Kinder. Mein Vater unterdes ging in den Vorgarten und schmückte zwei große Weidenkätzchenbüsche mit vielen bemalten Eiern und allen Möglichen bunten Sachen. Für den Rasen hatte er dann große Figuren. Zum Beispiel einen Osterhasen mit einer Schubkarre, in der er bunte Ostereier durch die Gegend fuhr. Oder eine 60 cm große Osterhasenfrau, die eine Pfeife rauchte (warum auch immer) und dabei die Eier mit einem Pinsel bemalte.


Meine Mutter und ich (meine Geschwister hatten natürlich Wichtigeres zu tun) füllten 6 Einmachgläser mit heißem Wasser und Essig, legten die Farbtabletten in die Flüssigkeit. Dann setzten wir zwei große Töpfe mit Wasser auf den Herd, um die Eier abzukochen. In das Wasser gab meine Mutter 2-3 Esslöffel Essig und 2 Esslöffel Salz. Ich frug meine Mutter erstaunt, wozu dies den gut sei, die Eier können doch gar keinen Geschmack annehmen, denn sie haben doch die Schale noch an. Worauf sie mir antwortete, es sei nicht für den Geschmack, sondern damit die Farbe besser hält. Nun ja, ich habe es nie anders ausprobiert, denn ich glaube meiner Mutter bis heute.


Meine Mutter zählte von den 130 Eiern, 15 Eier ab, die dann zum Ausblasen gedacht waren. Mehr durften es nicht sein, sonst hätte sich mein Vater wieder ins Auto gesetzt und 10 neue besorgt.
Meine Mutter pikste mit einer Nadel winzige Löcher in die Eier. Jetzt fragen sich einige, warum nimmt sie denn keinen Eierpikser? Na das geht doch nicht, würde sie sagen, dann wären die Löcher zu groß und die Farbe läuft hinter die Schale. Woran man nicht alles denken muss.
Meine Mutter drehte die Flamme unter dem Wasser auf die mittlere Stufe, damit das Wasser nur noch köchelt und nicht mehr kocht. Sonst platzen die Eier ganz schnell, wenn sie gegeneinander schlagen. In diese ruhig vor sich hinbrodelnde Flüssigkeit gab meine Mutter ein Ei nach dem anderen und kochte genau 12 Eier ab. Mehr geht ja nicht, denn sie müssen ja direkt heiß in die Gläser mit Farbe getan werden. Und mehr als zwei Eier passen nicht in ein Glas. Nach guten 10 Minuten nahm meine Mutter immer zwei Eier mit einem Schaumlöffel heraus, tauchte sie in eine Schüssel mit kaltem Wasser (um sie abzuschrecken) und gab sie vorsichtig in die Farbe.
In der Zeit, in der die Eier in der Farbe ihr Schwimmabzeichen machten, kochte meine Mutter die nächsten Eier ab. Und so ging das dann so lange, bis 72 Eier Bund und hart gekocht wieder in den Eierkartons lagen. Meine Aufgabe war es dann, die noch ziemlich heißen Eier, die nicht noch bemalt werden sollen, mit einem Stück Speckschwarte, von allen Seiten einzureiben, bis sie wunderbar glänzten. 


Die restlichen Eier werden in einem Zwiebelschalen-Sud schön braun gefärbt. Dazu sammelt man über ein paar Monate die äußeren braunen und trockenen Schalen von Zwiebel. Diese kocht man dann ca. 20 Minuten in heißem Wasser ab. Nicht abgießen und auch nicht die Schalen herausnehmen. Die Eier einfach 10 Minuten in dem Sud hart kochen bis die Eier eine tolle Farbe angenommen haben. Dann sind sie schon fertig. Auch die braunen Eier kann man wunderbar noch mit dem Pinsel verschönern und dann erst mit der Schwarte einreiben, wenn man möchte.


Meine Mom hat sich dann abends noch vor das TV gesetzt und einige Eier mit Öhrchen und Hütchen verziert oder mit Farbe lustige Gesichter künstlerisch aufgetragen. 


Ich spare mir die Erzählung über das Eiersuchen und komme direkt zu unserer Art des Eier Essens.
Ich war ganz verwundert, dass die meisten Freunde und Bekannte es nicht kannten, die Eier mit Essig und Öl zu essen. Wie das geht? Eigentlich einfach, doch ein wenig Fingerspitzengefühl muss man schon beweisen. Die Eier von der Schale befreien. Dann schneidet man sie der Länge nach in zwei Hälften. Nun sollte jede Seite die gleiche Größe haben. Vorsichtig das Eigelb aus dem Eiweiß drücken. Dann nimmt man eine Prise Salz, ein wenig Essig und Öl und gibt alles in die Eiweißhälfte. Das Eigelb auf die breite Stelle des Eiweiß legen und schwups ab in den Mund. Wer es noch nicht kennt, der wird viel Spaß dabei haben und es schmeckt auch noch Klasse. Ich probiere es jedes Jahr mit verschiedenen Ölen oder Balsamicoessig, Meersalz, Pfeffer, scharf, würzig, die Möglichkeiten die Eier zu essen sind ohne Grenzen. Aber die Art mit ganz normalem Essig, Öl, Salz und vielleicht noch etwas Pfeffer, ist auch für die Verdauung echt das Beste.


Ich wünsche allen ein fröhliches Osterfest und viel Spaß mit Eiern aller Art!


Der Gastromacher

Kommentare

Diese Procedur kenne ich auch. Schade, dass meine Kinder schon erwachsen sind.
Anonym hat gesagt…
Hallo,

diese Sitte ist mir nicht geläufig, werde es aber sicherlich dieses Mal ausprobieren. Danke für den Tipp!

Der Osterdieb
daciobcn hat gesagt…
oh, super! Das macht ja wieder richtig Lust auf die Ostertage... mit Weidenkätzchen, Deko und so... was mich immer wundert, wieviel man doch verdrücken kann von diesen pervers leckeren Eiern!;-)Dabei sind die so einfach zu machen.

Sonnige Grüße

Daciobcn
Anonym hat gesagt…
Ich werde nach diesem Text endlich mal wieder Eier färben, erinnert mich an meine Kindheit, aber muss erst Zwiebelschahlen sammeln.

Frühlingsgrüße an den Gastromacher!

Astrid
steelcop hat gesagt…
Schade, dass ich diesen Blog zu spät entdeckt habe. Diese Ostereier mache ich nächstes Jahr!

mFG

steelcop

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