Frank Oehler und die Speisemeisterei



Der 1964 im Allgäu geborene Spitzenkoch ist genau so alt wie meine Wenigkeit und ich fragte mich, hat es etwas mit dem Jahrgang zu tun, das er genau so wenig Lust auf Schule hatte?

Mit 16 haben die Eltern von „Fo“, wie er sich selber nennt, ein Einsehen, holten ihn von der Schule und besorgten ihm eine Lehrstelle zum Koch im Restaurant „Adler Rummelshausen“. Schon während der Lehre ist ihm das Kochen ins Blut übergegangen. Nach Abschluss der Ausbildung, die er mit Bravour bestand, kochte er in einigen erstklassigen Restaurants. Damit war aber dann erst mal Schluss, denn die Uniform rief und er musste erst mal seine Bundeswehrzeit hinter sich bringen.
Danach ging es aber erst so richtig los. Er verbesserte seine Kochkunst immer weiter, wobei ihm solche Küchen wie die vom Sterne prämierten „Seehotel Silber“, oder das Sternerestaurant „Schweizer Stuben“ von Dieter Müller und seinem Team. Doch bevor er überhaupt über die Selbstständigkeit nachdachte, zog es ihn nach London, wo er bei Anton Mosimann den Löffel schwenken durfte. War es jetzt soweit, für die eigene Küche zu arbeiten? Nein, er hängte noch ein paar Jahre in Basel dran und bekochte dort die Gäste vom „Teufelhof“.


Dann war es endlich soweit, Frank Oehler eröffnete sein eigenes Restaurant „d`Rescht“. Sechs Jahre kochte er wie der Teufel, bald rund um die Uhr und wurde belohnt. Preise, Punkte im Gault Millau und viel Anerkennung war der größte Lohn, den sich ein Koch wünschen kann. Doch es ging noch weiter, 2001 und 2002 bekam er einen von den heiß begehrten Michelin-Sternen. Und Manfred Kohnke, der Big Boss vom Gault Millau, nominierte ihn zum kreativsten Koch Deutschlands. Und wer schon mal bei ihm Essen war, der würde ihn auch nominieren.
Doch da gab es ein Problem: wie kann man einen Menschen, der es liebt überall zu kochen, festketten? Das geht nicht! Da würde er sich eher von den Ketten abrosten. Er musste wieder weiter und wo lässt sich besser kochen als an der Sonne. Und so zog es ihn nach Marbella in das Grand Hotel „Las Dunas Beach & Spa“, welchem er auch einen Guide Michelin-Stern bescherte.

Bevor er 2008 wieder ein eigenes Restaurant eröffnete, machte er noch eine Zwischenstation im Hotel & Restaurant „Erbprinz in Ettlingen“, wo er als Küchendirektor ebenfalls einen Stern bekam und 16 Punkte im Gault Millau.

Stuttgart sollte das neue Ziel von „Fo“ sein. Im Schloss Hohenheim pachtet er das Restaurant und die „Speisemeisterei“ war geboren. Und was soll ich schreiben, nach kurzer Zeit erkochte er sich schon wieder 15 Punkte im Gault Millau und 2010 wird die „Speisemeisterei“ mit einem Mechelin-Stern ausgezeichnet. Wahnsinn, da wird es mir ja schwindelig, was der „sanfte Rocker am Herd“, wie ich ihn jetzt mal nenne, alles auf die Beine stellt.


Sein Küchenkonzept, welches er mit seinem Team in der „Speisemeisterei“ fährt, nennt er „traditionelle Avantgarde“ Klassiker aus seinen Rezepten werden in ein neues Licht gesetzt.
Jeder Teller, der aus der Küche zum Gast kommt, ist eine hervorragende Komposition aus Ingredienzien aus der Region und Zutaten aus der ganzen Welt.

Gegensätze ziehen sich ja oft an, wird gesagt. Das hat „Fo“ in seinem Restaurant auf jedem Fall geschafft. In dem herrschaftlichen Gebäude mit hohen Stuckdecken fällt das moderne Design und die Gradlinigkeit des Mobiliars sehr angenehm auf. Ich möchte es auch gar nicht weiter beschreiben, denn es gibt Fotos wie ihr seht. Aber am besten einfach bei Frank Oehler einen Tisch reservieren und sich verwöhnen lassen, denn nur dann kann man merken wie schön die Stimmung in der Speisemeisterei rüber kommt.

Ich wünsche „Fo“ und seinem Team weiterhin viel Erfolg und tolle neue Ideen!

Der Gastromacher

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